AsKI-Jubiläum. 1997 – 2017 : 20 Jahre Casa di Goethe in Rom

Jubiläum 2017

Das laufende Jahr ist für die vom Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute – AsKI e.V. getragene Casa di Goethe in Rom mit einem Jubiläum verbunden.

Vor zwanzig Jahren eröffnete das einzige deutsche Museum im Ausland im Zentrum der italienischen Hauptstadt seine Pforten – genau in den Räumen im ersten Stock eines römischen Wohnhauses in der Via del Corso 18, wo Johann Wolfgang Goethe zusammen mit seinem Freund Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und anderen Malern von 1786 bis 1788 in einer fröhlichen „Künstler-WG" gelebt hatte. Allerdings ist das Museum mit seinen 600m2 heute weitaus größer als die damalige Wohnung, da der AsKI Anfang 1990 den gesamten ersten Stock erwerben konnte.

Casa di Goethe, Via del Corso 18, Rom, Foto: Casa di Goethe, Rom

Von Anfang an verstand sich die Casa di Goethe (1997 bis 2013 unter der Leitung von Ursula Bongaerts, seit 2013 von Dr. Maria Gazzetti) jedoch nicht nur als klassische Gedenkstätte und Museum mit eigener Kunstsammlung, sondern auch als ein Kulturzentrum und Ort der Moderne. Dazu passte z.B. auch das 1992 unter dem damaligen AsKI-Geschäftsführer und Casa di Goethe-Projektleiter Dr. Konrad Scheurmann mit Hilfe von Sponsoren erworbene Goethe-Porträt von Andy Warhol, Höhepunkt unter den zeitgenössischen Kunstwerken der Sammlung.

Die Zahlen aus zwei Jahrzehnten „Deutsch-italienisches Foyer" sprechen für sich: Seit ihrer Eröffnung am 30. Mai 1997 durch den damaligen Innenminister Manfred Kanther und der ersten Ausstellung „Barlach und Goethe" hat das römische Goethehaus mit seinem fünfköpfigen Team 71 Wechselausstellungen und über 520 Veranstaltungen mit deutschen und italienischen Kooperationspartnern, Wissenschaftlern und Künstlern organisiert – nicht nur in Rom und oft in Zusammenarbeit mit dem AsKI und seinen Mitgliedsinstituten. 60 zumeist zweisprachige Publikationen, darunter auch einige Videoproduktionen und Broschüren, zeugen von der Spannbreite der Aktivitäten. Sofern noch lieferbar können Begleitbände und Kataloge im Museumsshop und in Deutschland über den Online-Shop des AsKI bezogen werden.

Im Mittelpunkt des Programms steht nicht nur Goethes Leben, Werk und Reise, sondern auch die Italienerfahrungen der nachfolgenden Künstlergenerationen und der deutsch-italienische Kulturaustausch gestern und heute. Mit der von Dr. Maria Gazzetti ins Leben gerufenen Reihe der „Incontri Romani" und „Rom trifft Berlin", die in Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut stattfinden, ist die Casa di Goethe auch ein wichtiger Ort der Begegnung für deutsche und italienische Schriftsteller geworden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Kulturarbeit am Corso ist die Betreuung der einzigen Goethe-Spezialbibliothek Italiens und der historischen Bibliothek des Deutschen Künstlervereins. Mit Unterstützung des Deutschen Bundestags und des damaligen Beauftragten für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, war es dem AsKI nämlich 2009 gelungen, ein zusätzliches Appartement im 2. Stock im gleichen Haus zu erwerben. Eine glückliche Zusammenführung: In genau dieser Wohnung hatte sich bereits von 1973-1982 das vom Freien Deutschen Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum erste „Goethe Museum Rom" befunden. In der 2013 erschienenen Casa di Goethe-Publikation „Via del Corso 18. Geschichte einer Adresse" über die überraschend wechselvolle Geschichte des Hauses und seiner Bewohner durch die Jahrhunderte findet auch diese wichtige Vorgängereinrichtung Erwähnung.

Casa di Goethe: Die Bibliothek des Deutschen Künstlervereins, Foto: Martin Claßen, Köln

Die Erweiterung um rund die Hälfte der bisherigen Museumsfläche bot der Casa di Goethe nach über zehn Jahren neue Perspektiven. Die historische Bibliothek des Deutschen Künstlervereins (1845-1915) fand in den neuen Räumen – zusammen mit dem dazugehörigen Archiv – ein definitives Zuhause und wird derzeit noch in Kooperation mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts erschlossen. Dank der neuen Seminar- und Bibliotheksräume und der verbesserten technischen Grundausstattung ist es heute möglich, auch bei laufendem Museumsbetrieb Veranstaltungen durchzuführen.

Ein weiterer Grundpfeiler der deutsch-italienischen Kulturarbeit am Corso ist seit vielen Jahren das Stipendienprogramm – seit 1998 haben 46 Stipendiaten in den historischen Räumen auf Goethes Spuren gearbeitet und zum Teil auch gewohnt. Bis 2006 hatte die DaimlerChrysler-AG das Programm unterstützt, seit 2012 erfolgt die Finanzierung durch die Karin und Uwe Hollweg-Stiftung aus Bremen.

Zwei Jahrzehnte intensiver kulturvermittelnder und kulturproduzierender Tätigkeit am Corso sind also ein Grund zum Feiern, auch wenn es für eine Stadt wie Rom nur eine kurze Zeitspanne ist. In Deutschland wurde der Geburtstag bereits auf den Tag genau zwanzig Jahre später gefeiert: Zahlreiche Vertreter der AsKI-Mitgliedsinstitute sowie Freunde und Mitstreiter beider Einrichtungen nahmen am Berliner Festakt vom 30. Mai zum Doppeljubiläum „50 Jahre AsKI e.V. – 20 Jahre Casa di Goethe" in der Akademie der Künste mit Staatsministerin Prof. Monika Grütters teil. In Rom gibt es am 30. Oktober 2017 (231. Jahrestag von Goethes Einzug in die Künstler-WG am Corso) ein großes Fest, verbunden mit einer Vernissage: Eröffnet wird die 72. Sonderausstellung „Collezionare al Corso. Zeichnungen, Graphik und Skizzenbücher der Casa di Goethe" mit zahlreichen Highlights aus den eigenen Sammlungsbeständen, darunter auch wichtige Neuerwerbungen der letzten Jahre. Zu sehen sind u.a. sieben seltene Skizzenbücher von Goethes Hausgenossen am Corso, Friedrich Bury, ein wertvolles Skizzenbuch mit in Olevano und Rom ausgeführten Zeichnungen des Dichterfreundes Friedrich Preller sowie wertvolle Radierungszyklen und Zeichnungen.

Für das Vernissage-Fest am 30. Oktober freut sich die Casa di Goethe auf zahlreiche Gäste aus Deutschland und Italien und natürlich auf das römische Publikum. Zu den Gratulanten zählen u.a. der Vorsitzende des AsKI, Dr. Wolfgang Trautwein, und Dr. Günter Winands, Abteilungsleiter bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Auf dem Festprogramm stehen neben der Ausstellungseröffnung die Erstaufführung eines neuen, für das Internet konzipierten Kurzvideos und einer Bildergalerie-Projektion "20 Jahre Casa di Goethe".

Dorothee Hock
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Casa di Goethe

 

Einladung 20 Anni Casa di Goethe

AsKI KULTUR lebendig 2/2017
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