Kunsthalle Bremen: Bedeutende Schenkung - Die Sammlung Schünemann kommt in die Kunsthalle Bremen

  Adam van Breen,  Schlittschuhläufer,  1611, Öl auf Holz, Foto: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Jahrzehntelang blieb die Privatsammlung im Verborgenen: Nun schenkt der Bremer Kaufmann Carl Schünemann seine wertvolle Sammlung von Altmeistergemälden dem Kunstverein in Bremen. Den Kern bilden 32 Gemälde niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts.

Ergänzt werden diese durch eine toskanische Madonnentafel aus der Zeit um 1400, eine Venedig-Ansicht aus dem 18. Jahrhundert von Michele Marieschi und ein eindrucksvolles Seestück des späten 19. Jahrhunderts von Hans Frederik Gude. Es ist die bedeutendste Gruppe von Werken Alter Meister, die der Kunstverein – bis heute privater Träger der Kunsthalle Bremen – seit seiner Gründung 1823 erhalten hat. Schünemann reiht sich damit ein in die große Tradition hanseatischer Mäzene.

Carl Schünemann stammt aus einer bedeutenden Verlegerfamilie in Bremen. In fünfter Generation führte er das Bremer Druck-und Verlagshaus Carl Ed. Schünemann KG, das neben dem traditionsreichen Zeitungsverlag ein umfangreiches Buchprogramm herausbrachte, darunter auch kunsthistorische Fachliteratur zur niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Im persönlichen Dialog mit Kunstexperten baute Schünemann in den vergangenen 50 Jahren seine Sammlung auf. Nur selten wurden einzelne Werke in Ausstellungen präsentiert. So ist zur Zeit ein Hauptwerk der Sammlung, „Die Serenade" von Jakob Ochtervelt, in der Ausstellung „Vermeer and the Masters of Genre Painting" zu sehen, die aktuell in der National Gallery of Ireland in Dublin und anschließend in der National Gallery of Art in Washington, D.C. gezeigt wird.

Jacob Ochtervelt, Die Serenade, Öl auf Leinwand, Foto: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Die Niederländer-Sammlung umfasst Stillleben, Genrebilder, Landschaften und Seestücke. Viele Werke zeichnen sich durch künstlerische und kunsthistorische Besonderheiten aus, zum Beispiel das einzige signierte Gemälde von Jeronimus Sweerts oder das einzige Stillleben des ansonsten auf Genrebilder spezialisierten Künstlers Willem van Odekercken. Dazu kommen ungewöhnliche Motive wie das Tabakstillleben von Hubert van Ravesteyn mit einem Tabakpäckchen, auf dem zu Werbezwecken ein rauchender schwarzer Mann dargestellt ist. Umfangreiche Werkgruppen geben einen Überblick über die Landschafts- und Marinemalerei in ihrer ganzen Vielfalt.

Die zierlichen Schlittschuhläufer von Adam van Breen, entstanden 1611, sind ein frühes Beispiel der niederländischen Landschaftskunst, ähnlich wie Jan van Goyens 1622 datierte Dorflandschaft. Winterlandschaften, eine Mondscheinstimmung von Aert van der Neer oder Dünen an der Küste sind ebenso vertreten wie eine klassische niederländische Flusslandschaft mit Kühen und Windmühle, gemalt 1667 von Salomon van Ruysdael.

Besonderes Interesse und Fachkenntnis verbinden Schünemann, der selbst zur See fuhr, mit der Marinemalerei. Neun Seestücke veranschaulichen die Entwicklung dieser Gattung im 17. Jahrhundert, u.a. mit frühen Werken von Cornelis Verbeek, Hendrick Cornelisz. Vroom und Cornelis Claes van Wieringen dessen fein gemalte Kupfertafel Schiffe mit donnernden Kanonen bei starkem Seegang zeigt, dramatisch zugespitzt durch einen auftauchenden Riesenfisch. Den Kontrast bildet die spiegelnde Wasseroberfläche bei Windstille in dem 1691 datierten Gemälde von Willem van de Velde dem Jüngeren.

  Hubert van Ravesteyn, Tabakstilleben,  1670, Öl auf Holz, Foto: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Die Schenkung Schünemann ergänzt auf hervorragende Weise die Sammlung niederländischer Malerei in der Kunsthalle Bremen. Die Neuzugänge verstärken vorhandene Bestände, zum Beispiel in der Marinemalerei, und sie schaffen besondere Schwerpunkte wie beim frühen Jan van Goyen und bei Art van der Neer. Vor allem aber schließt die Schenkung Lücken, insbesondere auf dem Gebiet der Blumenstillleben und der Genremalerei. Aber auch die italienischen Werke fügen sich in die Sammlung der Kunsthalle perfekt ein. Das gilt vor allem für die frühe italienische Madonnentafel: Sie wird zum neuen Gegenstück des bekannten Bremer Andachtsbildes von Masolino.

Im Frühjahr 2018 präsentiert die Kunsthalle Bremen die Schenkung Schünemann in der Ausstellung „Tulpen, Tabak, Heringsfang. Niederländische Malerei des Goldenen Zeitalters" (7. April bis 19. August 2018). Dazu erscheint ein wissenschaftlicher Bestandskatalog.

AsKI KULTUR lebendig 2/2017
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